Suche
Suche Menü

Bipolymer Systeme: „Wir revolutionieren die Stromerzeugung“

Martin Huber von Bipolymer Systeme gewinnt Energie aus Solarwärme.

Die Frage, wie wir künftig unseren Strombedarf decken wollen, gehört zu den wichtigsten Themen unserer Gesellschaft. Ob Waldrohdung für die Braunkohle, Dieselskandal oder Klimawandel – die herkömmliche Energiegewinnung zerstört die Umwelt und sorgt bei Verbrennung für giftige Abgase. Erneuerbare Energie wie Windkraft oder Solarenergie sind umweltfreundliche Alternativen, aber auch aufwändig und kostenintensiv.

Stromgewinnung aus Wärme

Abhilfe verspricht das junge Unternehmen Bipolymer Systeme aus Düsseldorf. Gründer Martin Huber hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich aus Sonnenwärme Strom gewinnen lässt. Grundlage ist der neuartige Kunststoff Bipolymere, der von ihm erfunden und patentiert wurde. Das Material verformt sich bei Wärme derart, dass es eine Drehbewegung erzeugen und damit mechanisch Strom herstellen kann.

„Solche Solarmodule lassen sich ähnlich wie Photovoltaik-Anlagen auf dem Hausdach montieren. Anders als bei Photovoltaik nutzen wir aber nicht das Licht, sondern die Wärme zur Stromgewinnung. Damit revolutionieren wir die Stromerzeugung“, sagt Huber.

Im Vergleich zu Photovoltaik sind die Solaranlagen von Bipolymer Systeme deutlich billiger in der Anschaffung, da günstige und in großen Mengen verfügbare Kunststoffe verwendet werden und bei der Herstellung wenig Strom verbraucht wird. Es sind keine Batterien nötig, da Wassertanks als Wärmespeicher eingesetzt werden. Die Bipolymer-Solarmodule sind zudem recyclebar.

Ein neues Material mit großem Potential

Nicht nur Hausbesitzer, auch die Industrie kann das neue Verfahren einsetzen und damit Strom- und Produktionskosten deutlich senken. Hier kann man neben der Sonnenwärme auch Abwärme zur Stromgewinnung verwenden. Der Kunststoff Bipolymere ist ein Material mit großem Potenzial und vielen Einsatzmöglichkeiten. Bipolymere können Bimetalle in Haushaltsgeräten wie Wasserkochern, Backöfen usw. günstig ersetzen. Außerdem ist der Biegeeffekt der Bipolymere bei Erwärmung für intelligente Anwendungen nutzbar. Medizingeräte können auf die Körpertemperatur reagieren und Kleidung passt sich der Außentemperatur an“, erläutert Huber.

Die Gründer von Bipolymer Systeme, Artur Steffen (li.) und Martin Huber (M.), gewinnen den Future Materials Award der University Innovation Challenge, überreicht durch Dr. Markus Steilemann, CEO von Covestro.
———————
The founders of Bipolymer Systems, Artur Steffen (left) and Martin Huber (m.), win the Future Materials Award of University Innovation Challenge, handed over by Dr. Markus Steilemann, CEO of Covestro.

Vier Preise in zwei Tagen

Die innovative Idee wurde bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Mitte September gewann das Gründerteam von Bipolymer Systeme bei der University Innovation Challenge in Frankfurt (Handelsblatt in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt) in der Kategorie Future Materials. Ein Tag später folgte der Chem Startup Award im Rahmen der StartupCon Köln, Deutschlands größter Gründermesse. Dort gewannen sie auch jeweils die Sonderpreise von Henkel und Covestro.

„Die Idee hatte ich schon lange“, sagt der junge Erfinder. Bereits 2015 war die Idee theoretisch ausgereift, so dass Huber 2016 das Patent anmelden konnte. Gemeinsam mit Seriengründer Artur Steffen gründete er 2018 das Startup Bipolymer Systeme. Gemeinsam ist das Gründerteam mit Vollgas bei der Sache.

„Wir arbeiten die Wochenenden durch und wollen bis Ende des Jahres die ersten Solarmodule fertigstellen“, erzählt Huber.

Seit Mai 2018 wird das Startup vom Future Champions Accelerator Rhein Ruhr gefördert, an dem die Universität zu Köln beteiligt ist.

Weitere Informationen unter www.bipolymere.de und www.rhein-ruhr-accelerator.de